|
Mike McBike @ Home / Elektronik / Philips 2848-04 |
Philips Experimentierkästen Kosmos Experimentierkästen |
09.01.2026 {Philips 2848-04} Martin G. hat mir ein tolles Exponat quasi als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk geschickt: einen Philips 2848-04 Mono-Röhrenverstärker von 1951 in etwas undefiniertem Zustand. Glücklicher Weise hat es nicht mal der Paketdienstleister geschafft, die (separat gut verpackten) Röhren zu zertrümmern. Alles ist heil bei mir angekommen! Nach einer ersten Reinigung sieht das ja mal ganz gut aus: Das Gehäuse und die Seitenabdeckungen fehlen, dann ist halt die Lüftung auch besser... Mache ich mir jetzt viele Gedanken oder schalte ich einfach mal ein? Ich entscheide micht für den harten Weg: der Netzschalter will nicht mitspielen - korrodiert. 100 Schaltspiele später ist der Übergangswiderstand auf wenige Milliohm gesunken - es kann losgehen. Bekloppt wie ich nun mal bin, widme ich mich erst einmal der Restauration der Frontplatte. Wer will schon ein unschönes Gerät testen? Die Frontplatte ist toll: die Beschriftung ist eingefräst, somit kann man einfach mit feiner Stahlwolle über die Platte gehen, ohne die Farbe zu entfernen! So, jetzt kann es eigentlich losgehen, aber die Glättungselkos machen mir schon Sorgen. 75 Jahre Elko kann schon daneben gehen und dann knallt es zuweilen. Im Motorraum sieht alles gut aus. Die Niederspannungs-Elkos sind selten problematisch. Eine Messung ergibt: alles im Soll. Die Folien-Kondensatoren sehen komisch aus, das muss aber so. Die sind halt sehr antik... Komische Bauform - so lang... Veräppelt! Das sind immer zwei Kondensatoren in der Mitte an Masse angebunden. 16µF/500V - sowas ist mittlerweile recht selten geworden. Aber hey, die Kapazität ist super! Der ESR ist allerdings ... nicht Schaltnetzteilgeeignet... Weil die Elkos noch halbwegs gut erscheinen, baue ich sie wieder zusammen. Der Blick auf die Rückseite zeigt, dass sowohl Netzeingangsspannungsbereich als auch Ausgangsimpedanz in weiten Bereichen eingestellt werden kann. Für den ersten Test stelle ich den Spannungsbereich auf 240V. Die Pufferelkos müssen zwingen formiert werden, die ziehen nach 75 Jahren erst mal einen extrem hohen Gleichstrom und werden heiß. Man kann das schonend mit wenig Spannung und viel Zeit machen oder ungeduldig, so wie ich: Einschalten und die Elkotemperatur testen. Die Türme werden nach wenigen Minuten über 40°C warm - also abschalten und auskühlen lassen. Wenn man das dan 4-5 Zyklen durchgemacht hat, erwärmen sich die Elkos nicht mehr. Sehr erstaunlich! Wenn man das nicht beachtet, fangen die Elkos an zu kochen und platzen. Nach einer Stunde ist der Verstärker bereit für den ersten Test. Der Ausgangsübertrager hat zur Sicherheit sogar eine Funkenstrecke. Die schlägt dann auch an, wenn das Teil aufgrund von Übersteuerung ins Schwingen kommt und viel zu viel Strom zieht. Sieht man, riecht man. Aber der Widerstand hat es trotzdem überlebt. Fazit: der Verstärker verstärkt noch sehr gut, verzerrt aber relativ schnell, ob das an alten Kondensatoren oder verbrauchten Röhren liegt, vermag ich nicht zu sagen, da fehlen mir noch die Kenntnisse. Aber das Gerät sieht einfach schön aus und macht im Winter das Labor warm! Wie man so viel Energie verschwenden kann, nur um Wechselspannung gleichzurichten... Aber ein Halbleiter-Brückengleichrichter sieht auch nicht so gut aus! Die Kontrolleuchte hat so was Jugendstil-mäßiges... Der Ausgangsübertrager nach der Reinigung. Von 8Ohm bis hochohmiger Kopfhörer geht da alles. Die Röhrenbestückung ist vermerkt: AZ50 als Gleichrichter, EF40 als klirr- und rauscharmer Vorverstärker, ECC40 als Phasentrenner und zwei Stück EL34 als Gegentaktendstufe. Ein schönes Teil von allen Seiten: Der fette schwarze Anschluss ist der Lautsprecherausgang, da passen prima Laborstrippen mit Bananensteckern rein! Ein nettes Detail: die "Sicherung". Wenn es zu heiß wird, reißt die Lötung ab. |
| © 2013 - 2026 · W. Robel | e-Mail senden |