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21.05.2026 {General Teknika 1600} Mich hat heute eine Spende glücklich gemacht, mit der ich nicht gerechnet habe (flaches Wortspiel...): eine General Teknika 1600. Von 1967 bis 1970 für heftige 4.000DM erhältlich, sehr selten und kaum bekannt. Das Gerät befand sich im Nachlass eines Brückenbaustatikers, der sich damals (Zur Zeit meiner Geburt - ich fasse es nicht!) bestimmt sehr darüber gefreut hat, nicht mehr mit Tabellenbüchern und Rechenschiebern arbeiten zu müssen. Vielen herzlichen Dank an den freundlichen Spender Marco! Die Anmutung dieser Rechenmaschine wirkt auf den ersten Blick eher nach einem Gerät aus Sowjetproduktion - gerade der Name "Teknika" weist in die völlig falsche Richtung. Hersteller ist nämlich "The General Corp." aus Japan. Im Gerät sind exzessiv Mitsubishi DTL-ICs der Serie 59xx verbaut, frühe Vorläufer der 74er TTLs. Toll, dass die Abdeckhaube ein Fensterchen hat. Immerhin kann man dadurch 8 der 16 Displays erahnen. Vielleicht war das ja auch nur als Kontrolle gedacht, ob die Maschine ausgeschaltet ist. Unter der Haube verbirgt sich ein brachiales Wunderwerk des Industriedesigns. Abgerundete Gehäuse sind was für Weicheier! Das Netzteil ragt nach hinten heraus und die dafür nötige Ausbuchtung im Gehäuse dient gleichzeitig als Kabeltrommel... Das Typenschild und der Stecker weisen auf eine europäische Gerätevariante hin. An der Tastatur erkennt man den Funktionsumfang: die vier Grundrechenarten werden geboten, zusätzlich sogar eine Wurzelfunktion. Dazu gibt es drei verschiedene Zwischenspeicher, die entweder saldierend oder als Konstantenspeicher fungieren. Die Maschine arbeitet mit Festkommadarstellung, die Anzahl der Nachkommastellen wird über ein brachiales Drehrad eingestellt. Erst werden die Vorkommastellen eingetippt, dann ggf. der Dezimalpunkt und dann die Nachkommastellen. Gibt man z.B. "0.000001" ein, so ist das recht mühsam, da die eingetippten Nullen nichts an der Anzeige ändern. Man muss hier immer gut mitzählen. Maximal neun Nachkommastellen können eingestellt werden, bei der Wurzel aus 2 führt das zu einer für damalige Verhältnisse grandiosen Rechengenauigkeit! Die 16 Anzeigeröhren sind seltene 7-Segment-Nixie Anzeigen, die unter anderem von der Firma Elfin Rodan vertrieben wurden. Im Gerät sind hochkant drei Platinen verbaut (plus eine separate Netzteilplatine, plus Displayplatine). Hier das hochauflösende Foto der Speicherplatine mit zentralem Ringkernspeichermodul. Die zwei gestapelten Hybridmodule GK-3003 dienen der Ansteuerung des Kernspeichers. Platine 2: exzesssive DTL-Logik. Platine 3: wie Platine 2, nur noch mehr DTL... Wer keine Software hat, muss festverdrahtete Logik nehmen! Hier noch einmal der Aufbau mit entfernter Speicherkarte. Das Netzteil ist sehr übersichtlich, ein dicker Trafo und etwas Linearregelung. Die Elkos sind genau so alt wie ich und haben sich besser gehalten. Alles funktioniert auf Anhieb. Ein putziges Detail des Netzteils: die 120V für die Anzeigeröhren werden über eine spezielle Glimmlampe geregelt. Was macht das blaue Licht? Es stabilisiert! Eine Besonderheit der frühen japanischen Geräte: die Null ist nur halbhoch. Der Einsteller für die Dezimalpunkte hat mehrere Ebenen. Hier wird einerseits das entsprechende Punktsegment aktiviert und andererseits das Rechenwerk entsprechend konfiguriert. Bei manchen Maschinen kommt es vor, dass die Wurzelberechnung nicht bei allen Einstellungen funktioniert und sich der Rechner quasi "aufhängt". So war das auch hier, bis ich das Drehrad mal richtig habe arbeiten lassen. Nach Entfernung der Oxidschicht läuft das Gerät einwandfrei bei allen Stellenzahlen! Nach einigen Rechenversuchen fiel mir dann doch eine gewisse Erschütterungsempfindlichkeit auf. Da diese Rechenmaschine keinen Laufzeitspeicher besitzt, musste dies ein Fehler sein. Der Ort der Empfindlichkeit konnte durch Feingefühl (Ja, das besitze ich durchaus!) auf diese komischen unbekannten Module eingegrenzt werden. Wenn die Karten durch die zwei oberen Klammern fixiert waren, dann war der Rechner nicht so empfindlich... Zwei übereinander gestapelte Plastikmodule werden von einem Aluminiumstreifen gehalten. Da hat in der Vergangenheit schon mal wer dran rungelötet - offensichtlich erfolglos. Die Plastikhülle lässt sich im eingebauten Zustand abziehen, darunter kommt Erstaunliches zum Vorschein. Da kann ich jetzt nur Vermutungen anstellen: drei Transistorvollbrücken zur Ansteuerung der Speichermatrizen und irgendetwas, das aussieht wie Piezoplatten. Zusätzlich dürfte es sich bei den silbernen Tropfen um winzige Tantal-Kondensatoren handeln. Das Ganze ist mit einem Isolierlack überzogen. Die Anschlüsse auf der Unterseite nachzulöten... ... löst nicht das Problem der mikroskopisch kleinen Risse auf dem Hybridmodul. Kaum lötet man alles unter dem Mikroskop nach, gibt es keinerlei Probleme mehr. Die Maschine kann die nächsten 60 Jahre laufen. Ach ja, noch ein kleines Detail: unter der "Kabeltrommel" befindet sich eine Abdeckung, die einen Platinenstecker freigibt. Dieser wurde wohl mal für den Anschluss eines Druckers und/oder einer externen Programmiereinrichtung vorgesehen. Leider finde ich darüber nirgendwo zeitgenössische Hinweise. |
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